Gewöhnlicher Spindelstrauch - Euonymus europaea

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Gewöhnlicher Spindelstrauch
Gewöhnlicher Spindelstrauch
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige

(Rosopsida)

Ordnung: Spindelbaumartige (Celastrales)
Familie: Spindelbaumgewächse

(Celastraceae)

Gattung: Spindelbäume (Euonymus)
Art: Euonymus europaea
Wissenschaftlicher Name
Euonymus europaea
L.


Der wissenschaftliche Name der Gattung setzt sich aus den griechischen Wortteilen "eu" = gut und "onomen" = Namen zusammen, "europaea" weist auf die weite Verbreitung hin.

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Euonymus vulgaris

Regional-Namen

Pfarrerkapperl, Pfaffenkapperl

Die Kapselfrucht gleicht mit ihren 4 zurückgeschlagenen roten Fruchtblättern der Kopfbedeckung katholischer Priester.

Beschreibung

Habitus

Das Pfarrerkapperl ist ein sommergrüner, stark verzweigter Strauch und wird je nach Standort zwischen 1 bis 3 m groß. Seine Äste stehen sparrig ab. Die Zweige bilden deutliche Korkleisten aus, ältere Zweige haben ein stumpf vierkantiges Erscheinungsbild.

Borke

Korleisten am Langtrieb des Gewöhnlichen Spindelstrauches

Die Borke ist graubraun, an dickeren Stämmchen tief längs- und schrägrissig. Die Zweige sind undeutlich 4-kantig oder mit 2 bis 4 schmalen Korkleisten versehen. Junge Zweige zeigen sich dunkelgrün, im Winter und sonnseitig von Anthocyanen meist dunkelrot.

Triebe

Die Zweige sind grün, lichtseits oft rötlich überlaufen. Typische Korkleisten laufen von den Seiten der Blattnarben herab. Die eiförmigen Knospen sind zugespitzt und gekielt und liegen dem Zweig an bzw. stehen leicht davon ab. Die Knospenschuppen sind grün, haben einen braunen, leicht bewimperten Rand und etwas abstehende Spitzen.

Blätter

Die ungeteilten, länglich eiförmigen Laubblätter sind (schief) gegenständig angeordnet und werden etwa 3 bis 8 cm lang und 2 bis 3 cm breit. Die kahlen Blätter sitzen auf einem 5-10 mm langen Stiel, ihr Rand ist fein gesägt. An der Oberseite blaugrün, sind sie an der Unterseite unwesentlich heller. Ihre Herbstfärbung reicht von goldgelb bis leuchtend orangerot.

Blüte

Blüte des Gewöhnlichen Spindelstrauchs

Der Gewöhnlichen Spindelstrauch trägt von Mai bis Juni kleine, unscheinbare 4-zählige Blüten. Sie sind etwa 6 bis 8 mm groß, blassgrün und in den Blattaschseln zu 3 bis 9 in Trugdolden angeordnet.





Frucht

Früchte des Gewöhnlichen Spindelstrauchs

Von September bis Oktober reifen die auffallenden Früchte. Die rot gefärbten abgerundeten Kapseln bestehen aus vier Fächern. Diese springen im Herbst auf und geben die Samen frei, die aber an einem feinen Strang befestigt bleiben.





Kerne, Samen

Samen von E. europaea

Die vierklappige Frucht birgt 2 bis 4 eiförmige Samen. Sie sind giftig und von einem orangeroten, fleischigen Mantel umschlossen. Springt die Fruchtkapsel auf, hängen die Samen an einem feinen Faden heraus. Die Samen des Spindelstrauchs keimen sehr schwer. Als Frostkeimer benötigen sie eine Ruhephase von 4 bis 5 Jahren und müssen mehrere Frostperioden durchlaufen, um ihre Keimfähigkeit zu erreichen.

Vor allem Vögel wie Elster, Drossel und Rotkehlchen lieben die spätsommerlich reifenden Früchte und sorgen für eine sehr weite Verbreitung der Samen.

Regionale Ausprägungen

Verbreitung in Europa

Das Pfarrerkapperl ist in Europa weit verbreitet. Es kommt, wenn auch nicht immer häufig, bis Südskandinavien und im Osten bis über den Kaukasus hinaus bis Westsibirien vor.

Verbreitung in NÖ

Das Pfarrerkapperl ist im gesamten Bundesland verbreitet und vom Tiefland bis in die Voralpenstufe häufig anzutreffen.

Standort

Der Gemeine Spindelstrauch hat ein breites ökologisches Spektrum. Er kommt vom Flachland bis ins Bergland (1200 m) in feuchten Auwäldern ebenso vor wie in frischen Laubwäldern und sogar auf trockenen, steinigen Standorten in Gebüschen und Hecken. Er bevorzugt jedoch nährstoffreiche, gut durchfeuchtete, kalkhaltige Lehmböden.

Besonderheiten

Verwendung

Aus den fettreichen Samen wurden bis ins 19. Jahrhundert in einigen Gegenden der Schweiz, Schwabens und Tirols ein Öl gepresst, das einerseits als Lampenöl und andererseits zur Einreibung gegen Kopfläuse verwendet wurde. Das Öl ist an Farbe, Konsistenz und Durchsichtigkeit dem Leinöl sehr ähnlich, hat einen strengen Geruch und brennt am Baumwolldocht mit heller, rußender Flamme.[1]

Das helle, kernlose Holz lässt sich wegen seiner Feinporigkeit gut verarbeiten. Vor allem für Schnitzereien und Drechselarbeiten war Spindelstrauchholz begehrt. Früher wurden die Spindeln der Spinnräder häufig daraus hergestellt.

Eignung

Aufgrund seiner hübschen Früchte und seines strahlenden Herbstlaubes ist der Spindelstrauch ein beliebter Zierstrauch.

Weblinks

Botanik im Bild - Flora von Österreich

Quellen

    Persönliche Werkzeuge