Gewöhnliche Berberitze - Berberis vulgaris

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Gewöhnliche Berberitze
Art
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige

(Rosopsida)

Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Berberitzengewächse (Berberidaceae)
Gattung: Berberitzen (Berberis)
Art: Berberis vulgaris
Wissenschaftlicher Name
Berberis vulgaris
L.




Inhaltsverzeichnis

Regional-Namen

Wein-Scharl, Essig-Scharl


Während unter der Bezeichnung "Scharln" im Niederösterreichischen meist die trockenen Hülsen von Schmetterlingsblüten verstanden werden (Bohn-Scharl), leitet sich hier das Wort wahrscheinlich von schärlich = scharf ab. [1]

Beschreibung

Habitus

Die Gewöhnliche Berberitze ist ein sommergrüner, mit Blattdornen bewehrter Strauch, der Wuchshöhen von 1 bis 3 Metern erreicht.


Triebe

Die schlanken Triebe haben eine gelbbraune bis graubraune Rinde, die innen (sichtbar nach Verletzung) intensiv schwefelgelb gefärbt ist.

Blätter

Die Laubblätter der Art sind am Blattrand mit dornigen Zähnen versehen. An Langtrieben können die Laubblätter auch zu Blattdornen reduziert sein. Solche Blattdornen sind dann 1,3,5 oder 7-spitzig. Das entspricht den Hauptadern eines Laubblattes. Dass es sich um einen Dorn handelt und nicht um einen Stachel erkennt man an den, in den Dorn mündenden Gefäßbündeln. In den Blattachseln solcher Dornen erscheinen im Folgejahr "normale" Laubblätter auf Kurztrieben. Diese haben bei trockenen Wetterbedingungen eine sehr auffällige tiefrosa bis weinrote Herbstfärbung.

Blüte

Blüte der Berberitze

Die gelben Blüten erscheinen in vielblütigen (bis zu 30), traubigen Blütenständen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Die Staubfäden der Blüten reagieren auf Berührungsreize der Staubfäden-Innenseite, sie klappen die Staubbeutel nach innen und stäuben den Kopf des besuchenden Insekts mit Blütenstaub ein. Der Berührungsreiz lässt sich auch mit einem spitzen Gegenstand (Berberitzen-Blattdorn) auslösen. Die Blüten riechen deutlich nach Trimethylamin, das von den meisten Menschen als unangenehm empfunden wird (der Geruch des Weißdorns und der Birnblüte). Es dient der Pflanze vermutlich der Anlockung von Käfern als Bestäuber-Insekten (Cantharophilie).

Frucht

Früchte der Berberitze

Die kleinen Beeren sind fleischig, blutrot gefärbt, walzenförmig und von stark sauerem Geschmack. Sie haben einen hohen Vitamingehalt und sind ungiftig. Im Gegenteil, sie sind sogar sehr wohlschmeckend. Berberitzensaft ist reich an Apfelsäure, Weinsäure und Zitonensäure. Manche Angaben über Gehalte an schwach giftigem Berberein könnten auf eine Verunreinigung mit Fruchtstielen zurückzuführen sein. Berberitzen sollten daher immer sauber abgerebelt werden.

Kerne, Samen

Jede Frucht enthält 2 (selten auch 3) spindelförmige Samen. Die Angaben über ihre Giftigkeit sind sehr unterschiedlich, meist wurde das in vielen anderen Pflanzenteilen vorkommende Alkaloid Berberin jedoch nicht nachgewiesen.

Holz

Berberitzenholz ist ein sehr dichtes und hartes Holz von charakteristisch gelber Farbe. Da die Triebstärke von Berberitzensträuchern gering ist (maximal 5 cm Durchmesser) ist die Holzausbeute gering, Berberitzenholz wurde daher meist für Einlegearbeiten verwendet.


Verbreitung in Europa

Die Berberitze ist in Europa weit verbreitet und fehlt nur in Skandinavien und den Britischen Inseln. Im Osten reicht die Art bis in den Kaukasus.

Verbreitung in NÖ

Die Art ist im gesamten Bundesland verbreitet, sie fehlt nur in großen zusammenhängenden Ackerbauregionen infolge des Strukturmangels und wegen der ehemaligen "Verfolgung".

Standort

Die Berberitze ist auf Trockenstandorten besonders konkurrenzfähig gegenüber anderen Gehölzen auf. Sie kann vor allem auf Kalk bis in höhere Lagen vorkommen (bis 1700 m Seehöhe) und ist sehr trockenfest und etwas lichtbedürftig.

Pflege

Die Berberitze braucht sehr wenig Pflege. Um eine reiche Blüte bzw. Fruchtbehang zu erreichen, sollte intensiv zurüchgeschnitten werden.


Besonderheiten

Die Berberitze ist Zwischenwirt des Getreide-Schwarzrostpilzes (Puccinia graminis) und wurde deshalb in manchen Ackerbaugebieten Europas stellenweise nahezu ausgerottet. Aus Sicht der modernen Landwirtschaft ist das nicht mehr notwendig.

Verwendung

Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzenorganen sind die Früchte der Berberitze alkaloidfrei und daher essbar. Sie sind sehr vitaminreich und schmecken säuerlich. Traditionell werden sie in Europa zur Marmeladebereitung genutzt (z.B. in Frankreich).

Die Beeren der Berberitze werden in orientalischen Ländern, vor allem in Persien getrocknet und zum Kochen verwendet. Berberitzen werden dort im Reis mitgekocht und verleihen im einen angenehm süß-säuerlichen Geschmack.

Aus den frischen Früchten läßt sich ein schmackhafter Berberitzen-Saft herstellen.

Eignung

Der robuste, kleine Strauch eignet sich zur Bepflanzung von trocken-warmen Böschungen und Säumen.

Weblinks

Botanik im Bild - Flora von Österreich

Quellen

    Persönliche Werkzeuge