Echter Wacholder - Juniperus communis

Aus Heckipedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Echter Wacholder
Art
Systematik
Klasse: Pinopsida
Ordnung: Kiefernartige (Pinales)
Familie: Zypressengewächse
(Cupressaceae)
Unterfamilie: Cupressoideae
Unterfamilie: Steinobstgewächse (Amygdaloideae)
Gattung: Wacholder (Juniperus)
Art: Juniperus communis
Wissenschaftlicher Name
Juniperus communis
L.


Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Gewöhnlicher Wacholder

Regional-Namen

Kranawetten

Beschreibung

Habitus

Der echte Wacholder ist ein immergrünes Nadelgehölz und zeigt sich sehr vielgestaltig mit unterschiedlichen Wuchs- und Kronenformen, die von breit ausladend bis säulenförmig reichen. In der Regel präsentiert er sich als mehrstämmiger locker kegelförmiger, vom Grund an verzweigter Strauch und wird 3 bis 5 m hoch. Selten gibt es baumförmige Exemplare mit 10 m oder höher. Der Wacholder wächst sehr langsam und kann durchaus ein Alter jenseits der 100 Jahre erreichen. Auffallend sind seine im Alter ablösende Rinde, seine gestreiften Nadeln und deren wirtelförmige Anordnung und die Früchte, die braunschwarzen Wacholderbeeren.

Borke

Die Wacholderrinde ist jung glatt und rotbraun. Später erscheint sie graubraun, längsrissig und schuppig bzw. löst sich in schmalen langen Streifen ab.

Triebe

Die jungen Triebe des Wacholders sind gelbgrün bis graugrün, mehr oder weniger vierkantig und zeigen schmale Längsleisten. Äste zeigen diese Merkmale nicht mehr. Richtige Knospen bildet der Wacholder nicht aus. Unterentwickelte Nadeln bedecken schuppenförmig Seiten- und Endknospen und schützen die Triebspitzen.

Blätter

Der Gemeine Wacholder hat im Vergleich zu anderen Wacholderarten keine schuppenförmigen, sondern nur nadelförmige, bläulich grün erscheinende Blätter, die in dreizähligen, gespreizten Wirteln vom Zweig abstehen. Die einzelnen Quirle stehen relativ weit voneinander entfernt. Die steifen, stechenden Nadeln werden 1 bis 2 cm lang und 1 bis 2 mm breit, sind linealisch bis lanzettlich geformt und am oberen Ende stachlespitzig. Bei genauerer Betrachtung zeigen die ansich dunkelgrünen Nadeln auf der Oberseite eine hellen Mittelstreifen - ein Band winzigster, mit einer hellen Wachsschicht bedeckten Spaltöffnungen, die den Gasaustauch regeln. Die Lebensdauer der Nadeln betägt 3 bis 4 Jahre. Beim Zerreiben verströmen die Nadeln einen würzig aromatischen, angenehmen Duft.

Blüte

Der Gemeine Wacholder ist zweihäusig, getrenntgeschlechtlich. Die unscheinbaren kleinen (bis 5 mm) Blüten erscheinen bereits im Herbst in den Blattachseln der Nadelquirle in der Mitte eines Zweiges. Abhängig von Höhenlage und Witterung entfalten sie sich zwischen Ende April und Anfang Juni. Die auffällig gelben, männlichen Blüten sind eiförmig und meist schräg abwärts gerichtet. Ihr Pollen wird vom Wind oder Insekten vertragen. Die aufrechten weiblichen Blüten sind grünlich und zapfenförmig aufgebaut. Die Samenanlagen sitzen zwischen den obersten 3 Schuppen- bzw. Fruchtblättern, die sich nach der Bestäubung schließen und zu einem fleischigen Beerenzapfen verwachsen, der die Samen schließlich vollständig umschließt.

Frucht

Früchte des Echten Wacholder

Die sogenannte Wacholderbeere ist eigentlich ein kugeliges Zäpfchen aus fleischig verwachsenen Zapfenschuppen und wird erbsengroß. Besonders im unreifen, grünen Zustand sind die Schuppennähte noch gut erkennbar, die Beere ist noch saftlos und schmeckt äußerst unangenehm. Ausgereift zeigen sich die Wacholderbeeren schwarzbraun und hell bereift und enthalten 1 bis 3 Samen. Die Wacholderfrucht reift erst im 2. oder 3. Jahr nach der Befruchtung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auf einem Strauch alle Fruchtreifestadien zu finden sind. Die reife Wacholderbeere enthält neben Gerb- und Bitterstoffen auch einen hohen Anteil ätherischer Öle, die ihr den unverwechselbaren, aromatischen Geschmack verleihen. Wacholder ist eine traditionelle Gewürzpflanze und wird regelmäßig beerntet. Die Beeren werden v.a. von Vögeln (Wacholderdrossel) mit Vorliebe verzehrt, die dadurch auch für die Verbreitung der Samen sorgen.

Kerne, Samen

Die Wacholderfrucht enthält 1 bis 3 braune Samen. Sie haben eiförmig stumpfkantige Form und werden 2 bis 3 mm lang.

Holz

Das langsam wachsende, schwach duftende Wacholderholz hat einen gelblichbraunen bis hellbraunen Kern, der stellenweise dunkler, violett streifig erscheint. Sein Splint ist schmal und gelblich. Die Jahrringgrenzen zeigen sich grobwellig mit schmalen dunklen Spätholzzonen. Das Holz ist relativ weich, trotzdem schwer und lässt sich schwer spalten.[1]

Regionale Ausprägungen

Verbreitung in Europa

Der Wacholder ist in Europa von der Ebene bis in Gebirgslagen (1600 m), von der nördlichen Eismeerküste bis in den Süden nach Zentralspanien, Sizilien und dem Peloponnes verbreitet.

Verbreitung in NÖ

Im Bundesland ist der Wacholder vom Marchfeld bis in die Voralpenstufe mäßig häufig bis zerstreut verbreitet.

Standort

Der lichthungrige Wacholder bevorzugt mäßig saure, sandige und relativ trockene Böden, wo er auch die beste Wuchsleistung zeigt. Er kommt jedoch mit fast allen Substraten zurecht und verträgt wechselfeuchte Standorte ebenso wie nasse Hochmoorstandorte und ist daher in Heiden, Magerweiden, auf Fels- und Sandfluren genauso zu finden wie in lichten Eichen- und Föhrenwäldern.

Besonderheiten

Der lichtbedürftige, konkurrenzschwache Wacholder braucht sehr offene Landschaften, daher kommt der vitale Strauch häufig nur auf waldlosen, kargen, beweideten Standorten vor. In Weideflächen gilt der Wacholder als Weideunkraut und wird wegen seiner stechenden Nadeln selbst von Schafen verachtet. Fehlt die Beweidung auf Magerstandorten, setzt die Wiederbewaldung rasch ein, und der Wacholder wird schließlich durch Beschattung verdrängt. Kümmernde Exemplare in geschlossenen Wäldern sind eindeutiges Indiz für eine ehemalige Beweidung.

Verwendung

Die Frucht des Wacholders enthält neben Harzen und Bitterstoffen auch ätherische Öle. Getrocknet ist sie ein beliebtes, traditionelles Gewürz. Wird die Beere leicht angedrückt, entfaltet sie ihr charakteristisches Aroma und wird u.a. beim Zubereiten von Wildgerichten und zum Beizen von Fleisch verwendet. Auch der Wacholderschnaps bzw. Gin verdankt seinen eigentümlichen Geschmack den ätherischen Ölen.

Das schwach duftende Holz wird beim Räuchern verwendet.

Eignung

Weblinks

Botanik im Bild - Flora von Österreich

Quellen

    Persönliche Werkzeuge