Dirndlstrauch - Cornus mas

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Dirndlstrauch
Art
Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Ordnung: Hartriegelartige (Cornales)
Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae)
Gattung: Hartriegel (Cornus)
Art: Dirndlstrauch
Wissenschaftlicher Name
Cornus mas


Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Gelber Hartriegel, Kornell-Kirsche, Dirlitze

Regional-Namen

Dirndl

Beschreibung

Habitus

Der 2 bis 6 Meter hohe Strauch kann mitunter auch eintriebig wachsen und wird dann ein kleiner gedrungener Baum mit im Alter enormem Stammumfang. Frei wachsende Dirndlsträucher sind breitkronig und häufig sogar breiter als hoch. In lichten Wäldern und Säumen wird der Strauch durch die Nachbarpflanzen meist hochgedrängt und kann dort bis zu 8 Meter hoch werden.

Borke

Triebe

Blätter

Die Blätter sind eiförmig-elliptisch, spitz, 4 bis 10 Zentimeter lang und ganzrandig. Die Blattoberseite ist im Alter schwach glänzend, in der Jugend beiderseits angedrückt behaart, mit 3 bis 5 Nervenpaaren. Damit unterscheidet sich der Dirndlstrauch vom nahe verwandten Roten Hartriegel, der meist 3 Blattpaare besitzt. Im Herbst färben sie sich die Blätter hellgelb, manchmal auch blaß-orange. Auf sehr trockenen Standorten setzt der Laubfall schon sehr früh ein.

Blüte

Blüte des Dirndlstrauches

Die Blüten des Dirndlstrauches erscheinen in kleinen, kugeligen Trugdolden und sitzen auf 5- 8 mm langen und behaarten Stielchen.

Jede Trugdolde hat an der Basis zwei äußere und zwei innere Tragblätter, die im Winter als kräftige Knospenschuppen die Blütenanlage schützen. Mit ihrer leuchtend gelben Innenseite verstärken sie die Schauwirkung der zarten Einzelblüten. Auf der Außenseite sind diese Hüllblätter dagegen graugelb und angedrückt behaart.

Die Dirndlblüte sondert reichlich Nektar ab und ist dadurch eine für Bestäuberinsekten wichtige Nahrungspflanze. Zum Zeitpunkt der frühen Blüte ist die Lufttemperatur im Allgemeinen noch sehr gering, weshalb das Bestäuberspektrum noch sehr klein ist. Wildbienen, Hummeln, Käfer und Fliegen spielen als Bestäuber für die Dirndl eine wichtigere Rolle als beispielsweise die Honigbiene. Umgekehrt ist die Blüte von Cornus mas an warmen Frühlingstagen (über 10 Grad Lufttemperatur) eine wichtige Trachtpflanze für die Honigbiene.

Frucht

Früchte des Dirndlstrauches

Die kleinen, 2-3 cm langen Früchte sind elliptisch geformt und unreif stark gerbsäurehaltig. Die Vollreife ist eingetreten, wenn die Früchte zu Boden fallen. Sie sind dann oft schwarzrot gefärbt, weichhäutig und sehr saftig. Die traditionelle Erntemethode ist daher das Aufsammeln von Fallobst. Zu diesem Zweck legt man unter den Strauch eine Plane oder ein feinmaschiges Netz. Da die vollreifen Früchte schnell in Gärung geraten ist ein tägliches Aufsammeln und Verarbeiten empfehlenswert.



Oeconomische Encyclopädie (1773 - 1858)

Die Früchte sind, gedachter Maßen, zwar schon im August reif, sie sind aber in diesem Monathe noch immer an den Bäumen, von welchen man sie von selbst abfallen lässet, wenn sie eßbar seyn sollen. Sie vermehren aber, auf dem Nach=Tische mit anderm Obste aufgetragen, eigentlich nur die Reihe, sonderlich im August, da sie das Ansehen zwischen den andern Früchten, wegen ihrer rothen Farbe, sehr erheben. Uebrigens können sie, in Ansehung des Geschmackes, andern Früchten gar nicht gleich geschätzet werden. Man ißt sie doch aber auch zuweilen, weil man die Veränderung in Speisen gern sucht, obschon der Wechsel oft nicht der beste ist. Sie sind abstringirend und stopfend, daher sie im Durchlauf sehr dienen, wiewohl sie den Magen leicht beschweren; daher schreibt Bapt. Fiera von ihnen:

Corna nocent stomacho bruma malegrata rigente:

Si tuus illa voret venter, auarus erit.[1]

Kerne, Samen

Kerne des Dirndlstrauches

Dirndlfrüchte haben einen relativ großen, zweisamigen glatten Steinkern. Von der Basis zur Spitze ziehen 3 helle, kaum erhabene hellere Streifen, die bei den einzelnen Sorten/Herkünften unterschiedlich lang ausfallen. Selten sind die Steinkerne auch dreisamig, sie haben dann meist 4-6 helle Streifen. Durch die Mehrsamigkeit keimen aus einem Steinkern daher auch meistens 2 Pflanzen.


Holz

Splint rötlichweiß, Kern dunkelrotbraun, scharf abgegrenzt. Jahrringgrenzen am Hirnholz undeutlich und verwaschen. Cornus mas ist wie auch alle anderen Hartriegel-Arten zerstreutporig, die Poren sind erst unter der Lupe erkennbar. Das Holz hat zahlreiche, sehr feine Markstrahlen.

Im Längsschnitt ist das Holz matt und im Kern mit gerade noch erkennbaren weißlichen Nadelrissen versehen (Lupe). Im Radialschnitt sind ahornartige Spiegel erkennbar. [1]

Regionale Ausprägungen

Der Dirndlstrauch ist als Halbkulturpflanze immer wieder dem Selektionsdruck durch den Menschen ausgesetzt worden. Im niederösterreichischen Verbreitungsgebiet ist die Art daher sehr vielformig, was besonders an den unterschiedlichen Fruchtformen und der Farbintensität der Früchte erkennbar ist. Auch in der Fruchtzeit gibt es zwischen den unterschiedlichen Herkünften oft enorme Unterschiede. Besonders früh zeitigende Herkünfte haben im Pielachtal sogar eigene Sortennamen (Frã-Dirndl, sie reifen am "Frauentag", dem 15. August).

Verbreitung in Europa

Der Dirndlstrauch hat einen südosteuropäischen Verbreitungsschwerpunkt. Das natürliche Vorkommen der Art reicht im Norden bis Südbelgien, Böhmen, Südpolen und Südrussland bis zur Krim. Sie fehlt in England und den skandinavischen Ländern, obwohl sie gepflanzt auch in Südschweden aushält. Im Süden verläuft die Vorkommensgrenze durch Mittelitalien, auf der Balkanhalbinsel erreicht sie ihre Südgrenze im Peloponnes.

In der nacheiszeitlichen Wiedereinwanderung der Dirndl blieben der äußerste Westen und der Norden Europas dirndlfrei. Innerhalb des Verbreitungsgebietes (grün) gibt es zwei Schwerpunktsregionen, innerhalb derer die standörtlichen Rahmenbedingungen für die Art besonders günstig sind (braun). Karte verändert nach DOING KRAFT 1955.

Verbreitung in NÖ

Bedingt durch die standörtlichen Ansprüche (Basengehalt im Boden, mäßige Wärme) kommt der Dirndlstrauch in Niederösterreich bevorzugt an der Thermenlinie und im Gebiet der niederösterreichischen Voralpen vor. Auch auf den Löß-Standorten des Weinviertels ist der Dirndlstrauch in Hecken und lichten Wäldern zu finden. Hingegen fehlt die Art auf den sauren Böden des Waldviertels fast völlig. Hier ist das spärliche Vorkommen auf die Marmorzüge oder auf Hausgärten mit ausreichender Basenversorgung (z.B. durch Mauerschutt im Boden) beschränkt. Im Alpenvorland fehlt der Dirndlstrauch in der Schlierhügel-Landschaft, hat aber auf den Terrassen und höheren Austandorten der Voralpenflüsse ein geschlossenes Vorkommensgebiet.

Karte verändert nach Angaben der Floristischen Kartierung Mitteleuropas

Standort

Zeigerwerte nach Ellenberg

Art L T K F R N
Cornus mas (Baumschicht) 6 7 x x 8 4
Cornus mas (Strauchschicht) 6 7 x x 8 4
Cornus mas 6 7 4 4 8 4

Besonderheiten

Verwendung

Der Dirndlstrauch ist sowohl als Naschobst, als auch als Blütenstrauch, der zeitig im Jahr blüht, geeignet. Wegen seiner Langsamwüchsigkeit bleibt er allerdings hinter anderen Heckensträuchern zurück und sollte daher in den ersten Jahren nach der Pflanzung freigestellt werden.

Wegen der guten Schnittverträglichkeit ist der Dirndlstrauch auch in formalen Hecken, an Grundstücksgrenzen und selbst noch im Vorgarten gut einsetzbar.

Eignung

Cornus mas eignet sich für trockenwarme Standorte mit ausreichender Belichtung. In Schattlagen ist die Blüte schütter und die Wahrscheinlichkeit der Fruchtbildung gering.

Weblinks

Botanik im Bild - Flora von Österreich

Quellen:

    Persönliche Werkzeuge