Mispel - Mespilus germanica

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Mispel
Art
Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Kernobstgewächse (Maloideae)
Gattung: Mispeln (Mespilus)
Art: Mespilus germanica
Wissenschaftlicher Name
Mespilus germanica
L.


Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Echte Mispel, Gewöhnliche Mispel

Regional-Namen

Asperl, Aschperl, Eschpal

Beschreibung

Habitus

Die Mispel präsentiert sich in der Wildform als sommergrüner, oft mehrstämmiger Strauch, selten als Baum mit ausladender Krone und erreicht Wuchshöhen zwischen der 1,5 bis 6 m. Sie zeigt aufrechten Wuchs mit mäßiger Verzweigung, wobei Äste und Stämme oft zu Krummwüchsigkeit neigen. Die Wildform bildet Dornen aus. Auffällig sind ihr zungenförmiges Laub, die prächtigen weißen Blüten im Frühjahr und ihre exotisch anmutenden braunen Früchte, die, über den Laubfall hinaus, im Herbst an den Triebenden hängen.

Borke

Borke am Altbaum
Stamm und Äste sind anfangs graubraun und bleiben lange glatt. Die Rinde löst sich vor allem am alten Holz schuppig ab, wodurch orangebraunes Rindengewebe sichtbar wird.

Triebe

Junge Zweige sind locker behaart, verkahlen jedoch ab dem 2. Jahr. Sie sind auf der Lichtseite rotbraun und schattseits olivegrün, erscheinen aber mit ihrem wolligen Haarkleid grauweiß. Die Zweige sind mit braunen Korkwarzen besetzt. Charakteristisch sind die dicht aufeinander folgenden Blattnarben an den Zweigenden. Die Kurztriebe der Wilden Mispel verdornen häufig. Die spitz eiförmigen Knospen sind sehr klein (3 bis 5 mm). Ihre rötlichen Knospenschuppen sind dunkel gerandet und hell bewimpert.

Blätter

Die einfachen, wechselständigen Laubblätter der Mispel sind auffällig groß und erinnern an lange Zungen. Sie sind kurz gestielt, zeigen länglich lanzettliche bis ovale Form und werden 6 bis 12 cm lang und 3 cm breit. Am Grund abgerundet enden sie in einer kurzen Spitze. Ihr Rand ist manchmal etwas gewellt und in der vorderen Hälfte oft fein gesägt. Die stumpf dunkelgrüne Blattoberseite ist im Gegensatz zur helleren, filzig weiß behaarten Unterseite nur spärlich behaart. In den Herbstfarben der Blätter ist gelb und gelborange dominant.

Blüte

Blüte der Mispel

Die zwittrigen, sehr kurz gestielten Mispelblüten stehen einzeln, selten zu zweit am Ende beblätterter Triebe. Sie erscheinen nach der Blattentfaltung im Mai und Juni. Die 5-zähligen radiären Blüten sind mit 4 bis 5 cm recht groß. Die weißen, rundlichen Kronblätter sind 1,5 cm lang und werden von den langen, schmalen und dicht filzig behaarten Kelchblättern überragt. Diese bleiben bis zur Fruchtreife erhalten und verleihen der Mispelfrucht ein eigenartig bekröntes Erscheinungsbild. Im Zentrum der Blüte sitzen 5 Griffel, gerahmt von zahlreichen roten Staubbeuteln.



Frucht

Früchte der Mispel

Die auffällig bizarre Mispel reift ab September und sitzt einzeln an den Zweigenden, charakteristischerweise auch noch nach dem Laubfall weit in den Herbst (November) hinein. Sie ist kugelig geformt mit rau behaarter Schale und vorne in die sogenannte Kelchgrube vertieft, die wiederum von 5 bleibenden Kelchzipeln kronenartig gesäumt ist. Die Frucht wird 2 bis 3 cm groß, ist unreif gelblich grün und färbt über Goldtöne bis zum ausgereifen braunen Zustand. Das Fruchtfleisch ist unreif hart, strohig und schmeckt unangenehm herb bitter und sehr sauer. Erst nach der Ernte der noch harten, braunschaligen Früchte werden diese Gerbstoffe im Laufe der Lagerung abgebaut und ihre fruchtigen Aromen freigesetzt. Die reife Mispel riecht nach Most und das Fruchtfleisch wird teigig weich mit angenehm süß säuerlichen Geschmack. Im Fruchtfleisch der apfelartigen Frucht sitzen die 2 bis 5 Steinkerne. Die halbreife Mispel wurde früher gerne dem Apfel- und Birnmost zugesetzt, weil sie wegen ihres hohen Gerbsäuregehaltes die Haltbarkeit verbessert hat. Auch das vollreif weiche, zuckerreiche Fruchtfleisch galt früher als nahrhafte Delikatesse. Verarbeitet liefert die Mispel süß säuerliche Marmeladen, die wegen des Pektingehaltes auch gut gelieren.

Kerne, Samen

Regionale Ausprägungen

Verbreitung in Europa

Das natürliche Areal der Mispel reicht von Südosteuropa bis Persien. Von dort wurde sie nach Mittel- und Südeuropa eingeführt und kultiviert, wo sie heute nur noch selten verwildert vorkommt.

Verbreitung in NÖ

Die Mispel kommt im Bundesland überwiegend als Obstgehölz kultiviert und stellenweise verwildert vor. Sie ist zerstreut im kollinen Weinbauklima, beispielsweise an den Rändern des Wienerwaldes noch zu finden. Verwilderte Vorkommen existieren auch noch in der Wachau (einem traditionellen Anbaugebiet) und im westlichen Weinviertel.

Standort

Die lichtbedürftige Mispel bevorzugt sommerwarme, trockene bis frische Standorte mit nährstoffreichen, tiefgründigen Lehmböden. Sie ist aber recht anpassungsfähig und nicht so anspruchsvoll, wie man es von einer südöstlichen Art erwarten würde. Ensprechend ihres Licht- und Wärmehungers meidet sie allerdings zu starke Überschattung und steht gerne windgeschützt in der Vollsonne.

Besonderheiten

Die Mispel gehört zu den wenig anfälligen Kernobstgewächsen was Krankheiten und Schädlinge betrifft. Wegen der späten Blüte ist allerdings das Infektionsrisiko für Feuerbrand höher, da der Feuerbranderreger im feuchtwarmen Klima aktiver ist. Mispelbäume zählen zu den am langsamsten wachsenden Obstgehölzen und haben entsprechend hartes Holz. Es unterscheidet sich miskroskopisch von allen anderen Kernobstgewächsen dadurch, dass die Markstrahlen mit nicht selten bis zu 3 oder 4 Reihen relativ breit sein können.[1]

Verwendung

Wegen ihrer Attraktivität und der vielseitig verwertbaren Früchte ist die einst in Vergessenheit geratene Mispel als (Wild)obst wieder auf dem Vormarsch und findet vermehrt Einzug in heimische Gärten. Die Mispel sollte noch im harten Zustand im Spätherbst geerntet werden und mit dem Krönchen nach unten auf einem Blech locker aufgelegt nachreifen. Während dieser Lagerreife werden die Gerbstoffe abgebaut, ihre Fruchtaromen freigesetzt und die Konsistenz des anfangs harten Fruchtfleisches wird teigig weich. Die Mispel muss nach dem Reifeprozess rasch verarbeitet werden und liefert eine vielfältige Produktpalette vom Saft über Marmeladen bis zum Schnaps.

Eignung

Weblinks

Botanik im Bild - Flora von Österreich

Quellen

    Bildergalerie

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